literarisches

Samstag, 12. April 2008

Nachts

legen sich die wünsche
auf die ziemlich staubigen fensterbänke
sie erzählen sich dinge
die formen annehmen wenn sie ausgesprochen sind

flatterhaft sind diese wünsche
sie fliegen davon
klopfen an
seilen sich ab
wenn du das fenster öffnest

ein morgen
eine stunde
mehr als eine ewigkeit her
schon wieder der nächste augenblick

ein anderes warten gibt es nicht

da fällt etwas hin
füllt den morgen
mit seinem fallen
es ist ein wunsch
der noch schaum an den lippen trägt

er konnte wohl nicht warten

Sonntag, 23. Dezember 2007

Immer, immer, immer

ich traf rimbaud im garten
natürlich trug er diesen apfel bei sich
ich fragte ihn
warum er nicht endlich mal etwas vernünftiges essen will
er schaute mich staunend an
du willst doch nicht dass ich rattengift fresse

ich habe mir das radio von borges gekauft
ich schalte es an und bin enttäuscht
das gleiche gewinde wie immer
was hat sich borges dabei gedacht
mir solch ein radio zu verkaufen

ich zählte die sterne und kam immer auf eine zahl die ich auswendig lernte
wenn ich nicht mehr weiter wusste las ich borges
ich war vierzehn und ging in die hauptschule
die klassenlehrerin fragte mich was ich werden will
und ich sagte
borges

ich traf neruda vor einem schiff
ich sagte ihm
als ich ein kind war
wollte ich immer wie borges sein
er lachte
und sagte
na ja jetzt bist du es ja

ich traf die umrisse von puschkin
er sagte
solche albernheiten solltest du
immer aufschreiben
vielleicht bekommst du ein honorar
und kannst mir mohnglöckchen zu meinem geburtstag bringen

aber sagte ich
die habe ich doch der zwetajewa versprochen
du glaubst doch nicht dass ich zur zwetajewa gehe
ohne mohnglöckchen in der hand

ich verstand mich schon immer gut mit gogol
manchmal lauschten wir den federn
die wir der zwetajewa in den mund schubsten

manchmal sagte ich zu der zwetajewa
woher man das dichten nimmt und sie
zeigte zu brodsky und sagte
der wird dir alles erklären

Mittwoch, 21. November 2007

Hänsel und Gretel

Hänsel: Ach Gretel, ich möcht die ganze Welt umarmen. Gretel, ich bin ja so verliebt. Sag jetzt nichts, Gretel. Bitte sag jetzt nichts.

Gretel: Dich will ja keine.

Hänsel: Du hast es gesagt, du hast es gesagt, obwohl ich dich drum gebeten hab. Du willst mein geliebtes Schwesterlein sein? Mein alles geliebtes Schwesterlein? Wo bleibt denn da die Treue, wir sind doch verwandt.

Gretel: Man sollts nicht meinen, aber wir sinds.

Hänsel: Ich hau ab Gretel, ich halt es nicht mehr aus, ich geh in den Wald. Ich geh in den Wald und suche Flöhe, die dressiere ich und eröffne einen Zirkus, weil ich mir nämlich einen Hut kauf und damit präsentiere ich den ersten Flohzirkus im ganzen Gebiet.

Gretel: Du willst also in den Wald? Gut, ich komme mit.

Hänsel: Laß uns nur geschwind gehen, bevor der Vater noch was merkt.

Gretel: Ja nur los.Doch halt, wie erklären wir den Zuschauern den Szenenwechsel?

Hänsel: Sag halt, jetzt kommt ein Szenenwechsel.

Gretel: Also, jetzt kommt ein Szenenwechsel.

Hänsel: So ein Wald.

Gretel: Wo spielt unser Stück?

Hänsel: In Wien.

Gretel: Und warum reden wir keinen Akzent.

Hänsel: Die Mutter hats verboten.

Gretel: Aber die Mutter ist in Australien.

Mutter(aus der Ferne): ABER ICH BIN IMMER BEI EUCH.

Hänsel: Es ist dunkel Gretel.

Gretel: Fürchtest Du Dich.

Hänsel: Ich kann Dirs nicht sagen, ich fürcht mich zu sehr.

Gretel: Da ein Elch.

Hänsel: Der schläft.

Gretel: Da ein Hund.

Hänsel: Ein Hund?

Gretel: Späßle G`macht

Hänsel: Was? Ach ja......

Gretel: Brauchst dich nicht zu fürchten, ich bin doch da.

Hänsel: Deshalb fürcht ich mich ja.

Gretel: Da schau ein Haus.


Hänsel: Oh ein Haus, ein Haus, ein Haus, da schau ein Haus, ein Haus, ein Haus.

Gretel (zum Publikum): Falls sie glauben daß ich darauf eingehe irren sie gründlich.

Gretel: Ein Haus! Ein Haus.

Hänsel: Jaja ein Haus.

Gretel: Siehst du das Haus geliebtes Brüderchen?

Hänsel: Ich sehs, ich sehs.

Gretel: Komm wir laufen zum Haus und schauen ob, ob wer da wohnt,
in dem Haus, verstehst du im Haus?

Hänsel: Ja sehen wir nach. Vielleicht wohnt einer dort und schickt uns fort.

Gretel: Oh das hat sich gereimet, ich reime nicht, das hab ich nicht nötig, oh ich sehe ein Licht.

Hänsel: Oh Gretel ein Licht, ein Lichtlein so schön, komm wir gehen hinein,
es wird sicher gehn.

Gretel: Ich reime nicht soviel ist klar, klopf halt mal an, Du bist der Mann.

Hänsel: Oh ich traue mich nicht, versteck mich im Graben, klopf Du an, Du hast das sagen.

Mann: Wollt ihr nicht klopfen ihr draussen da dort, ich lass euch nicht rein, ich blase euch fort.


Gretel: Ach guter Mann lass mich rein, ich bin doch die Gretel und mag keinen Reim.

Mann: Du magst keinen Reim, so dann trete ein, nur dieser Kerl, zu dem sag ich nein.

Gretel: Ach lass ihn halt mit, es ist doch mein Bruder, wärs meine Schwester,
ich hiesse sie Luder. So ists aber ein Typ mit Bärtchen und Schrippen, schau ihn Dir an, der raucht nicht mal kippen.

Mann: Nun wenn er nicht raucht, so kommt er hinein, und doch sperr ich ihn in ein kämmerchen ein.

Gretel: Sperr ihn nur ein, das ist er gewohnt, warum soll ich ihn retten, rett Du ihn Du Mond.

Mann: Du sprichst mit dem Mond, mein Kind bist du krank.
Gretel: ach quatsch, ich dacht nur wegen dem Reim.

Mann: ach der Reim, den sperren wir mit ein.

Hänsel: Seid ihr noch sperr, was schliesst ihr mich ein,
du willst mein Gretchen, mein Schwesterchen sein. Wo ist
das Blut das selbig doch fliesst, mir schein fast daß sie
mein Gefangenschaft geniesst. Ach was für ne Zeit, mir reicht
es alsbald, hat die Geschichte hier denn gar kein end?

Mann: Oh, er hat nicht mehr gereimt.

Gretel: Du hast es sehr schön hier, willst du nicht bleiben.

Mann: Oh lädst du mich ein, die Nacht hier zu verbringen.

Gretel: Wenns`d mich weiter so anschaust, könnt ich
ein „ja“ mir abringen.


Mann: Da draussen ists kühl, das Wetter schlägt um, die Leute tratschen und reden dumm, wir aber sehen der Zukunft voraus, soll ich`s Fernsehen einschalten, es gibt, die Sendung mit der Maus?

GreteL: Oh bitte Oh Bitte, schenk mir dein Dank, ich renn damit
zu der nächsten Bank, ich löse ein, krieg eh nix dafür, sprich hast
du chips und Dosenbier?

Mann: Oh und ob ich Dosenbier hab, das wird bei mir niemal nicht knapp.

Hänsel: Ich schieb den Vorhang ganz hastig und zu, die Geschichte ist zuende, ganz ohne Clou.


Vorhang

Mittwoch, 17. Oktober 2007

analogpost durch medienkompetenz

elkeHoppala! Da ist eine Brieftaube extra von Deutschland nach Wien geflogen und hat ein Packerl gebracht, direkt zu mir an den ZID. Richtig analog. Übergeben hat es mir vor zwei Minuten mein Kollege. Ein Hörspiel war drin, da sind Texte drauf. Ich mag auch die Stimme dieser Frau. Das ist gerade das richtige für mein derzeitiges Schnufnasendasein (*maLAde*). Heute nach der englischen Studentenschulung hau ich mich ins Bett und hör mir an, was Elke erzählt.
Da sieht man also doch, wie viel doch Medienkompetenz mit dem analogen Leben zu tun hat. Ohne MK hätte ich Elke nicht kennengelernt, und Sturznest hätte seine Texte nie geschickt: Vielen vielen Dank, Sturznest, das ist mir eine große Freude! Den besten Text werd ich küren und hier bekanntgeben.
Das Tolle am Kranksein ist: man kann im Büro mit WLAN auf dem Sofa liegen und die Koll* anknören (fränkisch = quengeln), die bringen einem dann Tee oder Cola "ans Bett". Wie medienkompetent! :-) Und ich darf ja nicht daran denken, was es bedeutet, Kontakt aufbauen zu können nach außen, wenn man wirklich krank ist.

Samstag, 6. Oktober 2007

Der erste Bart

„denn ich war ein stilles, braves Kind“
Peter Esterhazy aus Harmonia Caelestis



damals war ich zehn oder elf
das war damals
ich erinnere mich noch an die ersten fliegen die starben
ich wollte meine mutter nicht fragen
sie kochte gerade erbsensuppe
jeden samstag gab es erbsensuppe
und manchmal sah sie so hungrig aus
die erbsensuppe
so hungrig wie ein fluß der keine fische mehr hat
so hungrig wie ein klavier dass keinen ton hervorbringt
so hungrig wie solche sätze die man aufspeckt dass sie satt aussehen
dass sie dich anschauen; gierig wie ein mehlkauender wolf
als ich elf oder zwölf war sah ich in die eingeweide des spiegels
als ich den ersten flaum entdeckte der sich über meinem kinn begrub
dachte ich
jetzt wird es mir gehen wie den fliegen
ich werde verschwinden und keiner wird es sehen

Freitag, 5. Oktober 2007

neues leeres dokument

es war einmal ein rabe der ging auf einen berg
als er am berg ankam rief er
berg
der berg sah ihn an aber das konnte der rabe nicht sehen
der rabe rief: berg.. du bist dumm
der berg betrachtete den raben und schüttelte den kopf
der rabe floh nach unten
unten traf er einen anderen raben
der fragte
was würdest du davon halten schwalben zu sein
gleich mehrere fragte der rabe
ja rief der rabe
stell dir vor du wärst fünf schwalben
das wäre unsinnig rief der andere rabe und ihm fiel ein
dass es vielleicht doch nicht unsinnig war und er kaufte sich einen sack zement und rechnete es aus

Donnerstag, 4. Oktober 2007

DER KAPITÄN UND DER HUND

(diese geschichte hat überhaupt nichts mit Wikipedia zu tun und eigentlich hat die geschichte mit nichts etwas zu tun und trotzdem hat sich diese szene genau so abgespielt. ich saß in einem hamburger cafe und bestellte drei kaffee, man fragte mich nicht, wozu drei kaffee und das war gut so..)

Kapitän: Du bist ein ganz blöder Hund.

Hund: Das mußt du sagen.

Kapitän: Du bist doch der erste der mein Schiff verläßt

Hund: Dein Schiff würde ich weder betreten, noch kann ich es betreten.

Kapitän: Weil es für Hunde verboten ist, He He.

Hund: Weils untergegangen ist Du alter Schmarotzer.

Kapitän: He, warum nennst du mich Schmarotzer?

Hund: Weil du hier immer anschreiben läßt. Hast noch nie was bezahlt.

Kapitän: Noch nie was von bargeldloser Zahlung gehört.

Hund: Das hast du wohl etwas mißverstanden.

Kapitän: Was du willst mich belehren, Herr Wirt, der Hund zahlt.

Hund: Ich glaub du spinnst, ich zahl dir nix, du Gauner.

Kapitän: Noch ein Korn Herr Wirt, der Hund schielt und beleidigt mich.

Hund: Wann bist du das letztemal an Bord gegangen.

Kapitän: Letztens, ich kann dir sagen...

Hund: Sag halt.

Kapitän: Was soll ich dir sagen?

Hund: Wie es war.

Kapitän: Einen Hund werde ich doch nicht erzählen wie es war.

Hund: Stell dir einfach vor ich wäre ein Esel, so wie Du.

Kapitän: Wir fuhren durch das Breitenmeer bis rüber zum Simpfkanal, wir trockneten uns mit Schrauben ab, beinah hätte der Koch unseren Mast umgerissen, weil er Holz brauchte. Es war eine sehr unglückliche Fahrt, wir hatten keinen Auftrag, die Mannschaft war lustlos und keiner dachte an eine Meuterei.

Hund: Warum seid ihr überhaupt los.

Kapitän: Verdammt auch, ich weiß es nicht. Plötzlich saßen wir alle im Schiff und fuhren los. Wir hatten nichts geladen, es war eigentlich nutzlos.

Hund: Kapitän, merkst du was. All dein Tun ist zu nichts zu gebrauchen.

Kapitän: Aber Du hä? Du bist der Größte, ja? Du blöder Hund, warum unterhalte ich mich mit dir?

Hund: Weil du besoffen bist.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Ein Mal Wien

einmal war ich auch in wien gewesen
ein mal nur
und es ist immer noch da
ich meine es gibt städte die in dir bleiben
und wien ist so eine stadt

ich stand vor dem goethe denkmal
und dachte
na alter
nun setz dich mal hin und spann deine lippen aus
deine finger sind ja ganz krumm vom langen warten

und während ich dort stand
sah ich auf das schillerdenkmal
schiller aß gerne faule äpfel und wenn goethe gute laune hatte brachte er ihm einige mit
und wenn er schlechter laune war...... erst recht

wien hat eine nacht und einen tag
und verliebte tummeln sich barfuß durch die strassen
die fußgänger flanieren und singen hans moser lieder
und die verliebten halten verwirrte mittelhessen an

da fragte mich der junge mann ob ich die junge frau sehe die dort am treppengeländer stehe und darauf warte dass ihr traum endlich weitergehe
er fragte mich
ist sie wirklich da oder träume ich bloß
sie träumen sagte ich
aber sie ist auch wirklich da und hält ihre augen in der hand
denn sie sehen ja gar nicht mich an ...sondern nur sie

wien das ist eine hand voller tauben
das ist goethe und schiller die niemals in wien gewesen waren
falls doch
so möchte ich gerne eines besseren belehrt werden

aber wären sie in wien gewesen...sie hätten sicher auch vor dem goethe- oder dem schillerdenkmal gesessen
sie hätten sich lange über die kurzen nächte unterhalten
sie würden eine flasche trockenen abendländer getrunken haben
und goethe würde sagen
hier trifft man skaterinnen die fallen über den morgen her und wechseln die landschaften wie sie gerade wollen
vor solch einer frau sollte man sich hastig verbeugen denn sie verschwindet so schnell auf ihren rollenden gefährt .. dass man meinen möchte sie wäre aus der luft erschienen und tauche nur kurz auf um die helligkeit zu überprüfen
die immer lichter wird desto näher sie kommt

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